Zur Todesstunde Jesu hob gestern, an Karfreitag, in der voll besetzten Pauluskirche der Eingangschor der Johannespassion von Johann Sebastiach Bach an, so getragen wie kraftvoll: „Herr, unser Herrscher“. Die Zuhörergemeinde erlebte zwei Stunden lang einen musikdramatischen wie besinnlichen Gottesdienst, bis zum beseelten „Ruht wohl“, der Bitte „Macht mir den Himmel auf und schließt die Hölle zu“ und dem deutlichen Schlussbekenntnis im Choral: „Herr Jesu Christ, erhöre mich, ich will dich preisen ewiglich“. Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland dirigierte in gedämpften und auch mal zupackenden Tempi den mächtigen wie flexiblen Motettenchor der Münsterkantorei; der Jugendchor beteiligte sich an den sehr differenziert ausgestalteten Chorälen. Das Karls­ruher Barockorchester sorgte für ein zumindest historisch informiertes Klangbild, begleitete gediegen. Und so wirkte auch ein Countertenor mit, Andreas Pehl in der Alt-Partie. Aus dem Solistenen­semble mit Anja Zügner (Sopran), Matthias Horn (Bass) und Florian Dengler (Christusworte) ragte der souveräne, wohlklingende Gernot Heinrich heraus (Evangelist und Tenor-Arien). Nach langer Stille und Glockengeläut dann anhaltender Beifall der fast 1000 Zuhörer.  Jürgen Kanold Südwestpresse 15.04.2017