Kreuzweg der großen Emotionen
Die Aufführung von Bachs Matthäus-Passion in der ausverkauften Pauluskirche ist ein Erlebnis. Das liegt auch an den brillanten Solisten.

Von  Florian L. Arnold, Neu-Ulmer Zeitung

.... Den Auftakt der Münsterkantorei in die Konzertsaison mochten sich nur wenige entgehen lassen – 1000 Hörer fanden Platz in der Kirche, etliche mussten aber auch an der Abendkasse noch abgewiesen werden. Es war schlicht kein Platz mehr in der Kirche. Gut so, möchte man da fast sagen, denn es war hervorragend, was der sehr souveräne Motettenchor mit Verstärkung durch den Jugendchor der Münsterkantorei und dem brillanten Karlsruher Barockorchester zu Gehör gab.

.... So glanzvoll alle agierten, so sehr waren doch die narrativen Passagen von den Gesangssolisten getragen, die durchweg begeisterten. Miriam Feuersingers klarer Sopran fesselte von der ersten Note an. Die Mischung aus zurückhaltender Noblesse und emotionalem Zugriff gelang ihr hervorragend. Gänsehaut erzeugten auch ihre Duette mit Countertenor Franz Vitzthum: makellose Intonation, perfekt in Ausdruck und Harmonie. Überhaupt gefiel der Beitrag Vitzthums durch die berührende Perfektion des Ausdrucks, die Text und Bachs Musik in brillanter Detailschärfe herrlich ausdeutete. Daniel Blumenscheins wohltemperierter Bass war gerade auch im Zusammenspiel mit Gernot Heinrich (Tenor-Arien) und Christian Palm (Christusworte) ein wahres Vergnügen. Johannes Kaleschke (Evangelist) sorgte seinerseits dafür, dass der Zuschauer dem von Friedemann Johannes Wieland über die Werkdauer straff gehaltenen Spannungsbogen gespannt folgte.

.....Das Karlsruher Barockorchester glänzte mit dynamischen Streichern, punktgenauen und, wo nötig, auch herben Holzbläsereinsätzen und zumindest in den vorderen Reihen dürfte auch der konturierende Gambenklang wohlig aufgefallen sein.

Die Matthäuspassion als düstere Beschreibung eines Leidensweges? Nicht nur. Da war viel Licht in der Aufführung, da gab es die atmende Bach’sche Verspieltheit in der Musik und, zum Ende hin, auch Optimismus. Dafür gab es vom Publikum Standing Ovations und tosenden Applaus – auch für diesen Komponisten, der seiner Zeit unendlich weit voraus war.