..... So begegneten sich alte und neue Klangpaletten beim Crossover-Konzert von Friedemann Johannes Wielands Vokalensemble Ulmer Münster und dem Duospiel von Saxofonist Dieter Kraus und Bassklarinettist Jochen Anger durchkomponiert und improvisiert. Die beiden Filigranbläser pilgern aus der Weite des Kirchenschiffs zum Altarbereich des Chores, wo ihre schlanken Schwelllaute wie maßgeschneidert in die hell klingende „Mass for Four Voices“ des englischen Frühbarockers Thomas Tallis übergehen. Bei einem weiteren englischen Vokalpolyphonisten erweitert das Duo sparsam übermalende Saxofongirlanden und ostinate Basstreppen zu einem instrumentellen Intermezzo, das auch quartische Neutöner gut sortiert: Die Messe des „englischen Palestrina“ und Tallis-Schülers William Byrd liefert mit ihrer Dur-Pointierung aus den Moll-Strängen heraus noch spannungsvollere Kontraste.
Wieland dirigiert seinen Chor mit Weitblick aufs Ganze. Das „Agnus Dei“ – bei Tallis noch aufsteigend – gelangt jetzt in der Abwärtsbewegung mit samtiger Fülle zum strahlenden Schlussakkord, den Dieter Kraus im Übergang zur musikalischen Gegenwart in Skalen auflöst. Beim motorischen „Black“ für zwei Baritonsaxofone des US-amerikanischen Postminimalisten Marc Mellits wird der Jazzrock jetzt Seite an Seite zum gediegenen Farbtupfer. Zuvor glückte den beiden über die Chorraumdistanz mit Piazzollas „La Félure“ geschliffenes Balladenspiel. Und Grammy-Preisträger Eric Whitacre war nach A-cappella-Lobpreisung („This Marriage“) mit seinem „Sleep“ eine willkommene Angelegenheit fürs Modellieren choralischer Reibklänge.


 

.... Und wie es auch gefällt: Mit einem „Crossover“ hatte das Festival begonnen, mit Tönen von Saxophon und Bassklarinette, die aus dem Kirchenschiff hineinfluteten in den pop-bunt ausgeleuchteten Chorraum. Dieter Kraus und Jochen Anger zogen zum Altar, wo das Vokalensemble Ulmer Münster unter der Leitung Friedemann Johannes Wielands auf den Gruß aus der Gegenwart wartete, um gut 450 Jahren zurückzusingen: eine Messe von Thomas Tallis (1505-1585). Anders gesagt: Die improvisierte Moderne holt die Renaissance uns nah, im Geiste der Spiritualtät. Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble haben diesen Weg einst eröffnet. Auch Münsterkantor Wieland ist ihn jetzt gegangen, stimmungsvoll, auch wenn zwischen Instrumentalisten und Chor nicht alles ab- und durchgestimmt war im Freitagskonzert. Aber horch auf die Musik: feine Kommentare, Dialoge, das anklopfende Saxophon-Vorspiel zur Messe William Byrds, das Aushauchen der Bassklarinette am Ende von Eric Whitacres Motette „Sleep“.