Südwestpresse, Burkard Schäfer, 28.02.2017
Faszinierende Klangreise mit Chor und Marimba
So etwas nennt man wohl ein klassisches Understatement: „Wenn Sie nach dem Konzert sagen können: ‚So schlimm war es doch gar nicht‘, wäre schon viel gewonnen“, begrüßte Münsterkantor und Vokalensemble-Leiter Friedemann Johannes Wieland das Publikum. Und es wurde dann auch alles andere als schlimm. Das Konzert mit Musik für Marimba und Chor mit ausschließlich Kompositionen des  20. und 21. Jahrhunderts geriet vielmehr zu einer faszinierenden Reise in unerhörte Klangwelten.

Angst vor dieser zeitgenössischen Musik musste wirklich niemand haben, zumal alle Werke eher moderate Töne anschlugen, wie Wieland betonte. Und so spannten er und die Musiker einen großen Bogen von der Weihnachts- zur Passionszeit –  ohne Pause, so dass man nicht aus dem schier süchtig machenden Sog der Darbietung herausgerissen wurde.

Angemessen und passend zu den „Procession“-Klängen aus Benjamin Brittens Weihnachtszyklus „A Ceremony of Carols“ schritten die Musiker auf die Bühne, wo Jessica und Vanessa Porter schon mit ihren Marimbas in Aktion waren. Die „Carols“, eigentlich für Chor und Harfe komponiert, erklangen hier in einer – unmittelbar überzeugenden – Bearbeitung für Marimba als Uraufführung. Zur Hälfte des Zyklus‘ stand mit den „Memories of the Seashore II“ von Keiko Abe das erste Werk nur für Marimba-Duo auf dem Programm – ein hypnotisches Stück, dem man stundenlang hätte lauschen mögen und das von den beiden Schwestern hinreißend dargeboten wurde.

Das zweite Duo-Stück, „Octabones“ von Adi Morag, folgte nach dem zweiten Teil der „Carols“, die das bestens disponierte Vokalensemble gesanglich in ein wunderbar warmes Licht tauchte. „Octabones“, ein irrwitziges, ja akrobatisches Stück, geriet zum ersten Höhepunkt des Abends; Musik nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen, bei dem die Schwestern ihren ersten Riesen-Applaus einfuhren. Noch mehr Bravo-Rufe gab es nur nach „Udacrep Akubrad“ von Avner Dorman, das man als perkussives Prunkstück des Konzerts bezeichnen muss und bei dem die Geschwister ihre Instrumente teils nur mit den bloßen Händen traktierten.

Wie traumhaft die Kombination von Chor und Marimba funktioniert, zeigten „O Magnum mysterium“ von Marcus Paus und zum beglückenden Schluss „Agnus Dei“ von Matthias Schmitt. Ein exzeptionelles, zutiefst beglückendes Konzert. Bitte mehr Werke für diese Traum-Kombination!