Antonin Dvorak: Stabat mater

 

 

In Trost und Trauer entflammt

Münsterkantorei bewegt mit Dvoráks „Stabat Mater“
Von Roland Mayer (Augsburger Allgemeine)

Bis sich das Schmerzens-Oratorium zur dramatischen Vision des ewigen Lebens aufbäumte, durchlebte das Publikum in der voll besetzten Ulmer Pauluskirche mit Dvoráks internationaler Durchbruchsmusik „Stabat Mater“ unter Leitung von Friedemann Johannes Wieland die romantisch vielschichtig brodelnden Gefühlsbäder einer tief bewegenden Aufführung des Motettenchors der Ulmer Münsterkantorei. Im letzten (zehnten) Satz des gewaltigen Trauerhymnus aus der Feder des an der Wiener Klassik geschulten böhmischen Vollblutromantikers entfacht die Münsterkantorei mit dem „Paradisi gloria“ jenen lichtvollen Aufruhr, der die finale Hoffnungsstimmung der mittelalterlichen Strophen um die Schmerzensmutter thematisiert, die Dovrák als Reaktion auf den Tod seiner drei Kinder oratorisch umsetzte. Hier besticht der Chor durch großartige A-cappella-Vernetzung in die Höhen tragender Soprane, bis das Werk nach pulsierendem Amen in der trostspendenden Bläserterz
Das Geschehen in Golgatha aus der erschütternden Sicht der Maria dramatisieren Philharmonisches Orchester der Stadt Ulm und Mitglieder des Staatsorchesters Stuttgart unter dem weit ausholenden Dirigat Wielands gleich im Eröffnungssatz mit aufgeladener Bravour. Ein ausgezeichnetes Solistenquartett zeigt individuelle Ausdrucksstärke auch im Dialog mit dem Chor. Startet der Saarbrücker Bassbariton Ekkehard Abele die Soloparts mit fanfarischen Qualitäten, setzt das „Lass mich wahrhaft mit dir weinen“ Tenor André Khamasmie aus Leipzig mit strahlender Innigkeit um. Zusammen mit der Ulmer Sopranistin Maria Rosendorfsky wird das „Larghetto“-Duett dann zum vibrierenden, klarinettenumspielten Bittgesang. Und Altistin Saskia Klumpp aus Berlin gestaltet das „Entflammt und entzündet“ auf orchestraler Händel-Imitation schließlich zum voluminös flutenden Mariengebet. Nach der gut eineinhalbstündigen Aufführung der zehn Sätze dieser stimmungsgewaltigen Trauer- und Trostmusik war es in der Pauluskirche zunächst mucksmäuschenstill, bevor der Beifall gewaltig im Kirchenschiff aufbrandete.